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Turnen

DAS TURNEN

 

Das Turnen ist ein Teilbereich des Sports.

Zu den bekanntesten Disziplinen des Turnens gehört das Gerätturnen.

Für das organisierte Turnen in Deutschland gilt Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852) als Begründer.

Turnen entwickelt konditionelle Fähigkeiten (Fitness) und koordinative Fähigkeiten.

 

Organisation

 

Der Fachverband in Deutschland ist der Deutsche Turner-Bund (DTB), der zweitgrößte Fachverband nach dem Deutschen Fußball-Bund im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Auffällig ist der hohe Frauenanteil beim DTB. In der Schweiz ist es der Schweizerische Turnverband, der 1985 nach der Fusion mit dem Frauenturnverein als Nachfolgeverein aus dem Eidgenössischen Turnverein hervorging.

 

 

Geschichte

 

In der (Schul-)Bildung des 18. Jahrhunderts spielte die Leibesertüchtigung praktisch keine Rolle. Dies ging auf die kirchliche Lehre zurück, welche einen körperlichen Erziehungsansatz ablehnte. Lediglich auf den Ritterakademien wurden Fechten und Tanzen gelehrt. Die so genannten „Philanthropen“ der Aufklärung betrachteten dann den Geist und den Körper als eine Einheit, weshalb Leibesübungen zuerst in den 1770er Jahren am Philanthrophium in Dessau, bald darauf auch in Schnepfenthal eingeführt wurden.

 

Historisch begründet wurde die Turnbewegung 1807 in Deutschland vom „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn. Zwar gab es schon vorher verschiedene Formen der Gymnastik, doch fügte er den bis dahin bekannten Übungen den Barren und das Reck hinzu und gab ihnen die Bezeichnung Turnen. Infolge der Besetzung Europas durch Napoleon wurde das Turnen ab 1811 eine Schule der patriotischen Erziehung zur Vorbereitung auf den Befreiungskrieg. Jahn strebte somit nicht wie die Philanthropen der Aufklärung die Erziehung des einzelnen Individuums, sondern die geistige Formung einer Nation an. Daher bildeten sich im Zuge des „Erwachens nationaler Identitäten“ (Nationenbildung) ziemlich bald auch Ableger des Jahnschen Turnens in der Schweiz (im Jahr 1802 wurde der Telliring als erster öffentlicher Turnerplatz in der Schweiz angelegt). Die enge Verbindung mit dem frühen Burschenschaftswesen und die nationale Ausrichtung, welche die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei anstrebte, führte in den meisten Kleinstaaten Deutschlands von 1820–1842 zum Verbot des Turnwesens, der so genannten Turnsperre. Die Geschichte des Turnens sowie das Leben und Wirken von Friedrich Ludwig Jahn ist im Friedrich- Ludwig-Jahn-Museum in Freyburg (Unstrut) dargestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich das Turnen in den Schulen als obligatorisches Schulfach. Da es nach der Reichsgründung 1871 zu einer staatlichen „Schulreform von oben“ her kam, entwickelten sich in Deutschland das Vereins- und Schulturnen auf zwei verschiedenen Schienen weiter. Anders verlief dieser Prozess in der Schweiz. Durch die erfolgreiche 1848er-Revolution gingen die liberal-national gesinnten Turner den gleichen Weg wie der Bundesstaat. In der Folge konnte sich der Eidgenössischen Turnverein rege in die Diskussion um die Gestaltung des Schulturnens mit einbringen (z. B. bei der Gestaltung des Lehrmittels). Einzelne Exponenten wie der Schweizer Turnvater „Johann Niggeler“ avancierten dabei zu direkten Beratern des Bundesrates.Das Turnwesen stand auf Grund eines unterschiedlichen kulturellen Ursprungs von Beginn an in direkter Konkurrenz zum Sport. Erst im Zuge der „Versportung“ des Turnwesens und der Nationalisierung des Sports kam es nach längeren internen Konflikten (zeitweise zwei nationale Turnerzeitungen) zu einem Abbau der Differenzen. So wurden auf der einen Seite sportliche Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele zu einem „Gradmesser nationaler Tüchtigkeit“ und auf der anderen Seite hielt der Zeitgeist des Sports (Reglementierung, Spezialisierung, Methodifizierung, Rationalisierung) auch im Turnwesen Einzug. Dies führte zu einem veränderten Gebrauch des Begriffes Turnen. Galt er im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch für alle im Turnverein praktizierten Übungen, wird er heute nur noch für das Boden- und Gerätturnen verwendet. Lediglich im Fach Schulturnen hat sich der Begriff gehalten.Der jahrzehntelang gebräuchliche Begriff Kunstturnen für das leistungsorientierte Turnen an den Geräten ist in Deutschland mittlerweile offiziell durch Gerätturnen, manchmal mit dem Zusatz olympisch, ersetzt. In Österreich wird der Begriff „Kunstturnen“ weiterhin für die Bewerbe im olympischen Sechskampf verwendet.

 

 

Turnen zu Zeit des Nationalsozialismus

 

Zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit haben die Turner versucht, sich als weitere Kolonne neben der NSDAP, der SS und SA zu etablieren und die Sportbewegung zu vereinnahmen. Ohne Not trennte man sich von seinen jüdischen und sozialistischen Mitgliedern, führte den Arierparagraphen ein und wollte das Amt des Reichssportführers übernehmen. Edmund Neuendorff war auf nationaler Ebene die treibende Kraft, auf regionaler halfen ihm aber hierbei Turnführer wie Nikolaus Bernett in Oldenburg. Das Deutsche Turnfest 1933 in Stuttgart sollte die Übernahme besiegeln. Die NSDAP hatte jedoch andere Pläne, folgte den italienischen Modellen des Staatssports und gliederte das Turnen als Fachamt (=unselbständige Abteilung) in den neuen Reichsbund für Leibesübungen ein. Während die Turner zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereit waren sich von vielen Mitgliedern wegen der Antisemitismusfrage zu trennen, wollten sie nu Teil der NS-Bewegung sein.

 

 

Disziplinen des Turnens

 

Zum Turnen zählt neben den klassischen Disziplinen Geräteturnen und Trampolin im erweiterten Sinne auch die allgemeine Gymnastik, Rhythmische Sportgymnastik, Rhönradturnen, Aerobic, Akrobatik, Rope Skipping und Voltigieren sowie verschiedene Turnspiele.

 

Das klassische Gerätturnen (bzw. Kunstturnen) besteht bei den Männern aus einem Sechskampf an den Geräten Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck. Bei den Frauen werden vier Geräte geturnt: Sprung, Schwebebalken, Stufenbarren und Boden.

 

In der Schule, aber auch im Freizeit- und Breitensport, werden zunehmend wieder Inhalte, Geräte sowie Übungs- und Organisationsformen des sogenannten "Alternativen Turnens" (Hindernisturnen, Erlebnis- und Abenteuerturnen, Bewegungslandschaften, geselliges Turnen) angewendet.

 

International werden das Allgemeine Turnen sowie die Sportarten Geräteturnen, Trampolinturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Tumbling, Sportaerobic und Sportakrobatik durch die Federacion Internationale de Gymnastique (FIG, Internationaler Turnverband) und die Union Europeene de Gymnastique (UEG, Europäische Turnunion) vertreten. (Quelle: Wikipedia)

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